Leider keine Zauberformel für die Rettung der Welt – Live-Vortrag „Die Reise zum Klima“ am Gymnasium Oberursel
Am Mittwoch, 26.03.2025, war am Nachmittag der Naturfotograf, Buchautor und Naturfilmer Markus Mauthe zu Gast am Gymnasium Oberursel. In der Aula der Schule informierte er in einem packenden Foto- und Filmvortrag die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe E2 über die Dimensionen des Klimawandels, die weltweit festzustellen sind. Anschließend stellte er sich den Fragen des Publikums. Jens Frowerk, Leiter des Fachbereichs II am GO, hatte die für die Schülerschaft im Rahmen des PoWi-Unterrichts verpflichtende aber kostenfreie Veranstaltung organisiert. Gesponsert wurde sie von der Taunussparkasse und der Nassauischen Sparkasse Oberursel und dem FörderForum der Schule.
In seiner Begrüßung erklärte Markus Mauthe, dass er das Glück und Privileg habe, die ganze Welt bereisen zu dürfen. Um seinen dadurch entstehenden ökologischen Fußabdruck wenigsten etwas auszugleichen, habe er sich zum Ziel gesetzt, mit seinen Fotos und Videobeiträgen über die negativen Folgen des Klimawandels zu informieren und aufzuklären. So seien seine visuellen Beiträge zwar oft beeindruckend, aber in dieser Zeit des größten Wandels in der Menschheitsgeschichte eigentlich kein schönes und erbauliches Thema, sondern eher negativ besetzt. Brennende Wälder und schmelzendes Eis gehörten dazu.
Markus Mauthe startete seine visuelle Reise auf den Galapagos-Inseln. Selbst dort, wo 99% des Landes und Wassers geschützt seien und wo es aufgrund günstiger Strömungen keinen Plastikmüll im Meer gebe, sei die Natur von den Folgen des Klimawandels betroffen. So sei das Wasser für die dort ansonsten in großen Schulen vorkommenden Hammerhaie inzwischen um etwa 8 Grad Celsius zu warm, so dass die Tiere sich in tiefere und dadurch kühlere Wasserschichten zurückzögen, so der Naturfotograf.
Klimaforscher haben mittlerweile sechzehn Klima-Kipppunkte ausgemacht, die, wenn sie einmal überschritten sind, nicht mehr umgekehrt werden können. Neun davon stünden bereits kur vor der kritischen Marke, so Mauthe. So schmelze sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis derzeit mehr Eis, als es in den kalten Wintermonaten nachfriere. Dazu kämen die unregelmäßigeren Monsunzeiten sowohl in Asien als auch in Afrika. Es regne dort immer seltener, dann aber umso heftiger, so dass der bis in die Tiefe ausgetrocknete Boden das Wasser gar nicht so schnell aufnehmen und speichern könne. Außerdem führe die Erwärmung des Meereswassers zur Korallenbleiche und der Amazonas verliere menschengemacht an Fläche und könne so seinen großen Beitrag zur Erhaltung des Klimas immer weniger mehr leisten. Auch der Permafrost werde abgeschwächt, wodurch die betroffenen Gebiete weniger CO2 speichern, dafür aber mehr in die Atmosphäre abgeben. Die Auswirkungen des Golfstroms erfüllten nicht mehr ihre Funktion und zuletzt seien die Borealen Nadelwälder in den nördlichen Gebieten der Erde stark geschädigt. In all diesen Punkten müsse dringend gegengesteuert werden, denn wenn einer dieser Bausteine erst gekippt sei, kippten die anderen wie Dominosteine einfach hinterher, so Mauthe.
Der Naturfotograf belegte seine Ausführungen mit drastischen Fotografien und Videosequenzen aus Bangladesh, dem Amazonas in Brasilien, dem Senegal, Kanada, Grönland und Australien. Auf vielen der Kontinente gab es riesige Waldbrände, die Ausmaße der Überschwemmungen in ehemals fruchtbaren, inzwischen aber ausgetrockneten Gebieten waren verheerend. In Bangladesh besteht der höchste Berg des Landes aus Müll und das Great Barrier Reef leidet durch die Meereserwärmung unter einer großen Korallenbleiche, was das Ökosystem stark schädigt. In Grönland, der größten Insel der Welt, schmelzen zurzeit selbst in den Wintermonaten pro Stunde etwa 30 Millionen Tonnen Eis. Würde Grönland komplett schmelzen, stiege der Meeresspiegel um sechs Meter, so Markus Mauthe.
In seinen Videosequenzen kamen auch die Sprecher indigener Stämme und der Aborigines beeindruckend zu Wort. Sie warnten vor dem negativen Einfluss des menschlichen Handels auf das gesamte Weltklima und forderten zum sofortigen Handeln auf. Dazu gehöre in erster Linie der sofortige Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas sowie der verminderte Verzehr von Fleisch, so Markus Mauthe. Jeder einzelne habe es ein bisschen in der Hand und trage mit seiner Kaufentscheidung und Verhaltensänderung dazu bei, den Klimawandel aufzuhalten. Da man allein aber nicht viel bewirken könne, sei es wichtig, sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun. Dazu gehöre beispielsweise auch das Wählen von Parteien, die den Klimawandel nicht leugneten und sich für Gegenmaßnahmen einsetzten. „Setzt euch ein, auch wenn es aussichtslos erscheint!“, forderte Markus Mauthe die Jugendlichen auf. Am Ende seines Vortrags stellte er den Begriffen „Menschlichkeit“, „Rechtsstaat“, „Solidarität“, „Vielfalt“, „Demokratie“, „Gemeinwohl“ und „Nachhaltigkeit“ die Unwörter der letzten dreizehn Jahre gegenüber und ermunterte die Schülerinnen und Schüler dazu, auch mit Andersdenken im fairen Dialog zu bleiben und nicht aufzugeben. Dieses auch gerade jetzt, wo die weltweiten politischen Ereignisse kein positives Zukunftsszenario böten. Das Publikum dankte ihm mit einem großen Applaus.
Im Anschluss beantwortete Markus Mauthe, der aus Friedrichshafen am Bodensee stammt, noch zahlreiche Fragen der Jugendlichen. Im gefalle es überall dort, wo die Natur noch unberührt sei, der Liebe wegen sei sein Lebensmittelpunkt aber seit über zwölf Jahren Brasilien. Um die Erde mache er sich eigentlich keine Sorgen, wohl aber um das Leben der Menschheit. Ein Teil der acht Milliarden Menschen eifere einer Lebensweise nach, die den Klimawandel unserer Erdzeit befeuere und so das Leben aller bedrohe. Daher sollten wir die Erfahrungen und das Wissen der indigenen Völker, die ihn eingeladen hätten, um über ihn und sein Team eine Stimme zu bekommen, nicht ignorieren. Bildung sei dabei ein wichtiger Faktor. Sorgen mach ihm, dass die Positionen immer radikaler würden und manche Gerichte nicht mehr auf Basis demokratischer Werte, sondern auf Basis politischer Ideologien urteilten. „Wenn ich die Formel hätte, wie man die Welt rettet, würde ich sie euch sofort sagen“, schloss Markus Mauthe seine Ausführungen. (jun)

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