Das Grauen ist noch nach über 80 Jahren spürbar – Q2 des Gymnasiums Oberursel auf Exkursion ins KZ-Buchenwald
Am Dienstag, 26.05.2026, unternahm die gesamte Jahrgangsstufe Q2 des Gymnasiums Oberursel eine Exkursion ins KZ-Buchenwald in der Nähe von Weimar in Thüringen. Begleitet wurden die 182 Schülerinnen und Schüler dabei von ihren Geschichtslehrkräften Daniel Beyer, Michael Biewer, Jens Judisch, Martin Koppmann, Anna-Lena Meller, Fabian Raimann und Dr. Ulrike Ruttmann. Fabian Raimann hatte die Exkursion, die seit drei Jahren für diese Jahrgangsstufe verpflichtend ist, organisiert.
Schon früh am Morgen starteten die drei vollbesetzten Busse Richtung Weimar, wo es einen kurzen Zwischenstopp gab, bevor die Gruppe um die Mittagszeit an der Gedenkstätte auf dem Ettersberg ankam. In den Kurs-Gruppen ging es anschließend in Rundgängen über das Gelände zu den unterschiedlichen Gedenkstellen und in das Museum der Einrichtung. In einigen Kursen hatten die Schülerinnen und Schüler sich auf die Begehung vorbereitet, indem sie zuvor zu Hause arbeitsteilig zu den einzelnen Stationen recherchiert hatten und dann vor Ort kurze Vorträge hielten, die von den Lehrkräften teilweise noch mit Originalfotos und zusätzlichen Informationen ergänzt wurden. In anderen Kursen hielten die Lehrkräfte eigene Führungen, die sie über die Jahre hinweg immer weiterentwickelt haben. Sie bestanden aus einer Mischung historischer Informationen, Bildmaterial, um das Vergangene vor Ort sichtbar zu machen, und vor allem biografischen Erzählungen.
Zu den Stationen gehörte unter anderem der Bahnhof, der von den Häftlingen unter erbärmlichsten Bedingungen nahezu ohne Werkzeug gebaut und errichtet wurde, genau wie die acht Kilometer lange Bahnstrecke, die von Weimar zum KZ auf dem Berg führte. Das Ziel der Nationalsozialisten sei es gewesen, die Gefangenen so lange körperlich auszubeuten sowie mental zu erniedrigen und zu brechen, bis sie am Ende im Lager starben, so die Geschichtslehrerin Anna-Lena Meller. Das Ganze sei noch dazu mit euphemistischen Begriffen verharmlost und verschleiert worden. Schon der Name „Buchenwald“ deute darauf hin, dass auf dem Ettersberg vor der Zweckentfremdung durch die SS ein Mischwald mit vielen Buchen den Weimarern als Naherholungsgebiet gedient habe, in welchen schon Goethe verweilt habe. Auch die Rodung dieses Waldes und die Errichtung sämtlicher Lagergebäude sei Zwangsarbeit durch die Lagerinsassen, alles Männer, gewesen.
Betroffen und erschüttert vernahmen die Jugendlichen auch an den folgenden Stationen, z. B. den SS-Kasernen, dem „Caracho-Weg“, dem Zoo für die Familien der SS-Männer, dem „Bunker“ genannten Arrestbau, dem Lagertor, dem Appellplatz, dem Krematorium mit angeschlossener Pathologie, der Genickschussanlage, dem 40 Hektar großen Lagergelände, dem „Hygieneinstitut“, dem „Waldfriedhof“ - heute mit Gedenkstelen - , dem „kleinen Lager“, dem Lagerbordell und der Gefangenenkantine die Berichte über die schier unfassbaren Grausamkeiten, mit denen die Nationalsozialisten im Laufe der Jahre die insgesamt 277.800 Gefangenen gequält, misshandelt, erniedrigt und gebrochen haben. Dieses Grauen war für die Jugendlichen noch nach über 80 Jahren spürbar.
Nahezu schweigend wurden die Wege über das Gelände zurückgelegt und auch in der erschütternden Ausstellung, in der viele Lebensgeschichten Ermordeter sowie deren letzte Habseligkeiten und Häftlingskleidung ausgestellt waren, berührten die Jugendlichen zutiefst. „So etwas darf nie wieder geschehen und es ist unser Auftrag, dieses im Bewusstsein zu halten und daran zu erinnern“, waren sich die Schülerinnen und Schüler des GO am Ende einig. (jun)
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