„No Alternative“ zum Klimaschutz – Jugendbuchautor Dirk Reinhardt liest am GO
Am Dienstag, 16.06.2026, las der bekannte Jugendbuchautor Dirk Reinhardt in der Rotunde des Gymnasiums Oberursel für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe E2 aus seinem Jugendroman „No Alternative“, für welchen er 2025 mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Andreas Schach hatte die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Jona Piatkowski von der Stadtbücherei Oberursel organisiert.
Protagonistin des Romans ist die 17-jährige Emma Larsen, die sich im Untergrund als Klimaaktivistin mit gewagten und gefährlichen Aktionen für die Bewusstmachung der Klimaproblematik einsetzt. Unter anderem erklimmt sie unter Gefährdung des eigenen Lebens die Spitze des Frankfurter Messeturms, um ein Transparent der Bewegung „No Alternative“ zu entrollen. Auch vor Anschlägen mit Brandsätzen gegen umweltschädliche Fahrzeuge schreckt sie nicht zurück. Als bei einer Aktion aber auch unschuldige Menschen in Gefahr geraten könnten, gerät Emma ins Nachdenken und Zweifeln.
Eindrucksvoll schilderte Dirk Reinhardt die Hintergründe der Entstehung seines Werkes. Bereits 2021, währende der Corona-Pandemie, habe er mit den Recherchearbeiten für seinen Jugendroman begonnen. Zum einen habe er sich intensiv mit den Veröffentlichungen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beschäftigt, die den Einfluss des Klimawandels auf Artensterben und globale Erhitzung mit extremen Waldbränden belegten sowie die daraus resultierenden Ursachen für Flucht und Migration aufzeigten. Zum anderen habe er in Berlin Klimaaktivisten interviewt, die öffentlichkeitswirksam in einen Hungerstreik getreten waren.
In seinem Jugendroman sei „No Alternative“ eine Klimaschutzbewegung, die in allen großen deutschen Städten, beispielsweise Frankfurt und Berlin, durch unabhängig voneinander operierende Zellen im Untergrund vertreten sei. Zu Emmas Zelle gehörten außer der Protagonistin selbst Vincent, Noah und Valerie, die die Kontaktperson zur Führungsebene sei. Zum Leben im Untergrund gehörten eine konspirative Wohnung, ein Leben ohne Handy, Smartphone oder Computer sowie weitere Vorsichtsmaßnahmen. Mit spektakulären Aktionen versuche die Bewegung, das Bewusstsein der bundesdeutschen Bevölkerung auf die Dringlichkeit von Klimaschutz zu lenken. Als „Manifest“ bezeichnete Bekennerschreiben wiesen dabei gezielt auf die Ursachen und Folgen des menschengemachten Klimawandels hin.
In seinem gut einstündigen Vortrag, der eine Mischung aus Vorleseabschnitten (erstes Kapitel/Romananfang, Recherche im Internetcafé nach einem Anschlag, Auszug aus dem Manifest) und Hintergrundinformationen war, die teilweise durch Fotos und Statistiken belegt waren, machte der Münsteraner Autor auch den Schülerinnen und Schülern des GO die Dringlichkeit des Klimaschutzes bewusst, ohne dabei belehrend zu sein oder sie in eine Ecke drängen zu wollen. Sein Roman schildert dabei durch drei unterschiedliche Erzählebenen die verschiedenen Perspektiven, die man in Bezug auf den aktivistischen Einsatz für Klimaschutz haben kann. So war und bleibt es der Schülerschaft überlassen, sich daraus eine eigene Position und Meinung zu bilden.
Im Anschluss stand Dirk Reinhardt den Schülerinnen und Schülern noch in einer Fragerunde Rede und Antwort. So erfuhren die Jugendlichen, dass die Hauptintension des Romans das Hinweisen auf die Gefahren des Klimawandels sei. Durch die verschiedenen Erzählebenen wolle er das Geschehen zuspitzen, die ethisch und rechtlichen Widersprüche aufzeigen und dadurch der Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Ebenso erfuhren die Schülerinnen und Schüler noch die familiären Hintergründe für Emmas Entschluss, in den Untergrund zu gehen. Zu seiner eigenen Haltung befragt, antwortete der Autor, er sei kein Klimaaktivist, sondern Künstler. Daher sei es seine Aufgabe, durch sein Werk zum Nachdenken anzuregen und Diskussionen anzustoßen, er wolle aber keine Message vermitteln. Das Publikum dankte ihm mit großem Applaus für seinen Vortrag und seine Offenheit. (jun)
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