„Alleine kann ich die Welt nicht retten“ – Live-Vortrag „Die Reise zum Klima“ am Gymnasium Oberursel
Am Donnerstag, 12.03.2026, war der Naturfotograf, Buchautor und Referent Markus Mauthe zum zweiten Mal zu Gast am Gymnasium Oberursel. In einem packenden Foto- und Filmvortrag informierte er die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe E2 über die Dimensionen des Klimawandels, die weltweit festzustellen sind. Anschließend stellte er sich den Fragen des Publikums. Jens Frowerk, Leiter des Fachbereichs Sozialwissenschaften am GO, hatte die für die Schülerschaft im Rahmen des Politik- und Wirtschaft-Unterrichts verpflichtende Veranstaltung organisiert. Für die Teilnehmenden war der abwechslungsreiche Vortrag kostenlos, weil sowohl die Taunussparkasse als auch das FörderForum der Schule als Sponsor auftraten. Mit dem Honorar finanziert der Referent seine Arbeit und seine Projekte in Brasilien, wo er inzwischen auch lebt.
In seiner Begrüßung erklärte Markus Mauthe, dass er das Glück und Privileg habe, die ganze Welt bereisen zu dürfen. Um seinen dadurch entstehenden ökologischen Fußabdruck wenigsten etwas auszugleichen, habe er sich zum Ziel gesetzt, mit seinen Fotos und Videobeiträgen über die negativen Folgen des Klimawandels zu informieren und aufzuklären. So seien seine visuellen Beiträge zwar oft beeindruckend, aber in dieser Zeit des größten Wandels in der Menschheitsgeschichte eigentlich kein schönes und erbauliches Thema, sondern eher negativ besetzt. Brennende Wälder und schmelzendes Eis gehörten dazu.
Markus Mauthe startete seine visuelle Reise auf den Galapagos-Inseln. Selbst dort, wo 99% des Landes und Wassers geschützt seien und wo es aufgrund günstiger Strömungen keinen Plastikmüll im Meer gebe, sei die Natur von den Folgen des Klimawandels betroffen. So sei das Wasser für die dort ansonsten in großen Schulen vorkommenden Hammerhaie bereits seit 2020 um etwa 8 Grad Celsius zu warm, so dass die Tiere sich in tiefere und dadurch kühlere Wasserschichten zurückzögen, so der Naturfotograf.
Klimaforscher, wie der zitierte Direktor des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, Johan Rockström, haben mittlerweile sechzehn Klima-Kipppunkte ausgemacht, die, wenn sie einmal überschritten sind, nicht mehr umgekehrt werden können. Neun davon stünden bereits kurz vor der kritischen Marke, so Mauthe. So schmelze sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis derzeit mehr Eis, als es in den kalten Wintermonaten nachfriere. Dazu kämen die unregelmäßigeren Monsunzeiten sowohl in Asien als auch in Afrika. Es regne dort immer seltener, dann aber umso heftiger, so dass der bis in die Tiefe ausgetrocknete Boden das Wasser gar nicht so schnell aufnehmen und speichern könne. Außerdem führe die Erwärmung des Meereswassers zur Korallenbleiche und der Amazonas verliere menschengemacht an Fläche und könne so seinen großen Beitrag zur Erhaltung des Klimas immer weniger mehr leisten. Auch der Permafrost werde abgeschwächt, wodurch die betroffenen Gebiete weniger CO2 speichern, dafür aber mehr in die Atmosphäre abgeben. Die Auswirkungen des Golfstroms erfüllten nicht mehr ihre Funktion und zuletzt seien die Borealen Nadelwälder in den nördlichen Gebieten der Erde stark geschädigt. In all diesen Punkten müsse dringend gegengesteuert werden, denn wenn einer dieser Bausteine erst gekippt sei, kippten die anderen wie Dominosteine einfach hinterher, so Mauthe.
Der Naturfotograf belegte seine Ausführungen mit drastischen Fotografien und Videosequenzen aus dem Amazonas in Brasilien, dem Senegal und dem Norden Kanadas. Während im Amazonasgebiet endlose Feuer sich in den Regenwald fressen und Soja-Anbau und Goldgräber nach sich ziehen, zerstörten zunehmend heftigere Sturmfluten die Lebensmöglichkeiten der Fischer im Senegal. Ganze Küstenstreifen würden unbewohnbar, sodass die Fischer im trockenen Binnenland untergebracht würden – ohne Perspektive. In Kanada zeigten die jüngsten Aufnahmen von Markus Mauthe die irreversiblen Schäden, welche die Ölindustrie Nordamerikas dort hinterlasse. Indigene Gesellschaften lebten inmitten unfruchtbarer Landstriche, während die Einnahmen dieser Zerstörung einigen wenigen dienten.
In Wort und Bild wurde der negative Einfluss des menschlichen Handels auf das gesamte Weltklima belegt und forderten zum sofortigen Handeln auf. Dazu gehöre in erster Linie der sofortige Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas sowie der verminderte Verzehr von Fleisch, so Markus Mauthe. Jeder einzelne habe es ein bisschen in der Hand und trage mit seiner Kaufentscheidung und Verhaltensänderung dazu bei, den Klimawandel aufzuhalten. Da man allein aber nicht viel bewirken könne, sei es wichtig, sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun. Dazu gehöre beispielsweise auch das Wählen von Parteien, die den Klimawandel nicht leugneten und sich für Gegenmaßnahmen einsetzten. „Setzt euch ein, auch wenn es aussichtslos erscheint!“, forderte Markus Mauthe die Jugendlichen auf. Auch gerade jetzt, wo die weltweiten politischen Ereignisse kein positives Zukunftsszenario böten. Das Publikum dankte ihm mit einem großen Applaus.
Im Anschluss beantwortete Markus Mauthe, der aus Friedrichshafen am Bodensee stammt, noch zahlreiche Fragen der Jugendlichen. Ein Teil der 8 Milliarden Menschen eiferten einer Lebensweise nach, die den Klimawandel unserer Erdzeit befeuerten und so das Leben aller bedrohe. Daher sollten wir die Erfahrungen und das Wissen der indigenen Völker, die ihn eingeladen hätten, um über ihn und sein Team eine Stimme zu bekommen, nicht ignorieren. Bildung sei dabei ein wichtiger Faktor. Sorgen mach ihm, dass die Positionen immer radikaler würden und manche Gerichte nicht mehr auf Basis demokratischer Werte, sondern auf Basis politischer Ideologien urteilten. Auf die Frage der Zuhörenden, was jetzt am wichtigsten sei, antwortete Markus Mauthe: „Setzt euch bedingungslos für den Erhalt unserer Demokratie ein! Durch die politische Teilhabe-Möglichkeit in den wenigen Demokratien der Welt werden große Abkommen gegen den Klimawandel vorangetrieben. In Diktaturen könnte ich meinen Vortrag zur Aufklärung der Zusammenhägen niemals zeigen. Also verteidigt eure Demokratie!“, schloss Markus Mauthe seine Ausführungen. (jun)
Christina Jung Philipp Schefzyk
(Pressebeauftragte) (Stellv. Schulleiter)
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